Das aktuelle Thema des Widerstands hat historisch viele Facetten, die unsichtbar bleiben, wenn man Widerstand auf den Bereich des Politischen und des aktiven Handelns reduziert. Gerade weiblichem Widerstand wird eine solche Verengung nicht gerecht. Frauen haben aber zu jeder Zeit Widerstand geleistet, wovon literarische Texte Zeugnis ablegen, auch im Mittelalter. Ziel der Tagung ist es zunächst, weiblichen Widerstand in literarischen Texten des Mittelalters sichtbar zu machen und seine Dimensionen zu kartographieren. Weiterhin soll nach den Techniken und Verfahren des Erzählens vom Widerstand und nach seinen inner- und außerliterarischen Funktionen gefragt werden. Wir freuen uns auf Vortragsangebote aus allen Bereichen der mediävistischen Literaturwissenschaft (Latinistik, Germanistik, Romanistik, Anglistik, Skandinavistik, Niederlandistik, Judaistik, Byzantinistik etc.) und aus der historischen Sprachwissenschaft.
Die Tagung ist Teil des Explorationsprojekts „Narrative weiblichen Widerstands in deutscher Literatur des Mittelalters“, das durch die Zentrale Forschungsförderung der Universität Bremen gefördert und in Kooperation mit der Germanistischen Mediävistik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg durchgeführt wird, und findet in Kooperation mit Worlds of Contradiction (WOC) statt.
Organisation: Prof. Dr. Anja Becker (Universität Bremen) und Dr. Britta Bußmann (Universität Oldenburg)
Montag, 21. September 2026
Ab 10:00 Ankommen und Kaffee
10:30 Begrüßung und Einführung
SEKTION 1: Religiöse und HISTORISCHE BEZÜGE – Moderation Albrecht Hausmann
11:00 Beatrice von Lüpke (Wien): Die Standhaftigkeit der Märtyrerinnen und die Suche nach ihrem Grund. Zu den Motivierungen weiblichen Widerstands in spätmittelalterlichen Frauenlegendaren
11:45 Julia Gold (Bielefeld): Herrscherinnensakralität und weiblicher Widerstand in Johannes Rothes ‚Elisabethleben‘
12:30 Mittagspause
14:00 Hannah Rieger (Hamburg): Huren und Heilige. Zur Herrschaftsverweigerung reginaler Witwen und ihrer Darstellung in Chronik und Legende
14:45 Birgit Zacke (Bonn): da soltuͦ niht wider strebn … Prechmunda/Juliane und Alîte als widerständige ‚Witwen‘ in Strickers ‚Karl der Große‘
15:30 Kaffeepause – Moderation Tristan Schnell
16:00 Sibel Singer (München): Eine Chronik des weiblichen Widerstands. Die ‚Chronik des St. Clarenklosters zu Weissenfels‘
16:45 Edana Kleinhans-Junghahn (Duke, USA): Schriftliche Geczeigcnuss als weiblicher Widerstand: Kunigunde von Österreich und das ‚Puch von den seltzamen Geschichten der edlenn tewren frawen Chungunden‘ (1537)
17:30 Pause
19:00 Abendessen
Dienstag, 22. September 2026
SEKTION 2: MITTELHOCHDEUTSCHE KLASSIK – Moderation Karina Kellermann
9:00 Kristin Hennicke (Wuppertal): suln uns […] uberwinden diu wîp? Widerständige Frauenfiguren im ‚Nibelungenlied‘ und in der ‚Kudrun‘
9:45 Sophie Quander (Mainz): Durh Gyburge al diu nôt geschach. Formen und Funktionen weiblichen Widerstands im ‚Willehalm‘ Wolframs von Eschenbach
10:30 Kaffeepause
11:00 Volker Sliepen (Tübingen): Widerstand durch ‚Widerwärtigkeit‘? Zu Cundrîes und Orgeluses ordnungserschütternder und -stiftender Funktion in Wolframs ‚Parzival‘
11:45 Anna Dahlke (Oldenburg): (K)eine Nebensache? Die eigensinnigen Fischersfrauen in Hartmanns ‚Gregorius‘ und Wirnts ‚Wigalois‘
12:30 Mittagspause
SEKTION 3: LITERATUR JENSEITS VON ZENTRALEUROPA – Moderation Dr. Lukas Reddemann
14:00 Katharina Palme (Bremen): mir behaget diu werlt niht sô wol (AH 708). Sich durch den Tod entziehen – eine extreme Form weiblichen Widerstands?
14:45 Jule Stadtland (München): Feenfiguren zwischen Tabu und Widerstand – Die tabubelastete Feenliebe in der mittelhochdeutschen und altnordischen Literatur
15:30 Kaffeepause
16:00 Jan van Nahl (Reykjavík/Island): „Das könnte einmal Dein Tod sein“ – Weiblicher Widerstand in den altnordischen Königssagas
16:45 Lilli Hölzlhammer (München): Der, den ich begehre, ist nicht hier. Die Wahl des Geliebten als weiblicher Widerstand und gemeinsamer Nenner der byzantinischen Romantradition
17:30 Pause
19:00 Abendessen
Mittwoch, 23. September 2026
SEKTION 4: AUSHANDLUNGSPROZESSE – Moderation Lea Braun
9:00 Julia Frick (Rostock): Dîdô – Camille – Lavîne. Zu Figurentyp und narrativer Funktion von weiblichem Widerstand in den mittelalterlichen Eneasromanen
9:45 Sonja Kerth (Bremen): Titel folgt (Mystik)
10:30 Kaffeepause
11:00 Nadine Jäger (Wuppertal): Mein Weib ist gar ein böser Teufel. Bewältigungsstrategien weiblicher Selbstermächtigung in schwankhaften Ehenarrativen
11:45 Benedikt Gnosa (Bonn): Eine Herzogin in mans gestalt – Cross-Dressing und narrative Widerstandspotentiale im frühneuhochdeutschen Prosaroman ‚Herzog Herpin‘
12:30 Abschlussdiskussion